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  Behavioral Finance Th.36
 1    Kaffeebohne     20.10.04 um 18:02:39#156


Kaffeebohne
Aus gegebenen Anlass eröffne ich mal dieses, wie ich finde interessante Thema Behavioral Finance


Die ganze Welt ist eine Bühne – oder ein Markt. Die Börse ist
immer schon beides gewesen, Bühne und Markt. Und wer meint,
ihre Akteure würden rein rational und gewinnorientiert handeln, irrt.
Emotionen beherrschen auch hier, wie im "echten Leben", Denken
und Handeln der Meisten. Nur Volkswirte und Analysten glauben
immer noch, dass der homo oeconomicus in diesem tagtäglichen
Drama um Gewinne und Verluste die Hauptrolle spielt.

Im Gegensatz zur klassischen Ökonomie stellt Behavioral
Finance das Verhalten der Akteure in den Mittelpunkt.

Behavioral Finance beobachtet, wie Marktteilnehmer Informationen
auswählen und verarbeiten, und fragt konsequenterweise auch nach
den daraus resultierenden Entscheidungen. Und sie untersucht die
Anomalien, das nur begrenzt Rationale im menschlichen Verhalten.

Es hat sich gezeigt, dass die meisten Menschen immer wieder
dieselben Fehler machen. Das bedeutet: Diese Fehler treten syste-
matisch auf und sind daher vorhersehbar.

Wer das Instrumentarium der Behavioral Finance beherrscht und
systematisch die typischen Psychofallen in den Märkten zu ver-
meiden lernt, trifft bessere Entscheidungen und begreift Schritt für
Schritt, wie Märkte tatsächlich funktionieren.

Er wird vor allen anderen wissen, was die Anleger in Zukunft
tun werden.

Disziplinierter Handel
 2    Kaffeebohne     20.10.04 um 18:06:26#157


Kaffeebohne
Irren ist teuer: Die zehn häufigsten Fehler von Privatanlegern

Keine Anlagestrategie: Viele Anleger haben keine klare Vorstellung davon, wie viel Risiko und Volatilität sie für ihre Ziele in Kauf nehmen wollen.

Einzelaktien statt Diversifikation: Wer sein Risiko nicht genügend streut, ist den Schwankungen einzelner Wertpapiere oder Sektoren ausgesetzt.

Aktien statt Unternehmen: Anleger sollten die Fundamentaldaten von Unternehmen und Branche analysieren, nicht nur die aktuelle Kursentwicklung betrachtet haben.

Hoch kaufen: Anleger fällen ihre Entscheidungen ausschließlich auf Grund vergangener Entwicklungen.

Verluste anhäufen: Viele scheuen sich, ein Papier zu verkaufen – und hoffen oft vergeblich, die Verluste wieder gut machen.

Ständiges Umschichten der Anlagen: Allzu häufiges Kaufen und Verkaufen zehrt die Anlagerendite auf.

Anlagen auf Grund von „Tipps“ und „Werbesprüchen“: Was man selbst gehört hat, haben viele andere auch schon gehört – und ist wahrscheinlich schon eingepreist.

Zu hohe Ausgaben für Gebühren und Provisionen: Viele Privatanleger informieren sich nicht ausreichend über die Gebührenstruktur ihres Finanzdienstleisters.

Entscheidungsfindung durch Steuervermeidung: Nicht unbedingt bis zum Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist halten, nur um von einer niedrigeren Kapitalertragssteuer zu profitieren!

Unrealistische Erwartungen: Anleger, denen es an Geduld mangelt, gehen übermäßige Risiken ein.

Vernachlässigung: Viele private Investoren überprüfen ihre Positionen nicht regelmäßig.

Unkenntnis der wahren Risikotoleranz: Es gibt keine risikofreien Investments. Jeder sollte sich überlegen, wie er mit einem realen Vermögensverlust umgehen würde.
 3    Andrea     29.10.04 um 16:23:00#193


Andrea
Und nun was für Fans von Terminkontrakten.
Dieses äußerst erhellende wie entlarvende Zitat fand ich in einer lang vergessenen Perle meiner Büchersammlung

R. Knapp: Der Wirtschaftsteil der Zeitung, Stuttgart 1963, S. 138

Metallmärkte
Ohne Metalle ist keine Aufrüstung möglich. Die Metallmärkte reagieren daher besonders empfindlich auf politische Störungen.

Alles klar?!?
 4    Kaffeebohne     04.11.04 um 20:37:32#200


Kaffeebohne
Alles klar?!? auf der Andrea Doria






Von der Motivation: Was die Akteure tatsächlich bewegt

Machen Sie sich vor jedem Engagement bewusst, woran Sie Ihren Erfolg messen werden: Ist es ein bestimmter Geldbetrag, eine bestimmte Rendite, eine Portion Freude, oder wollen Sie einfach nur Recht behalten?

Überprüfen Sie immer Ihr Handelsmotiv. Sie möchten Gewinne maximieren und Verluste minimieren. Orientieren Sie sich dabei möglichst nicht an anderen Akteuren oder Freunden, denn sie werden unweigerlich nur von Gewinnen hören. Es ist Ihr Geld und niemand außer Ihnen selbst sollte bestimmen, wie es vermehrt wird.

Lassen Sie sich bei Ihren offenen Engagements nicht zu sehr durch den Faktor Zeit beirren. Auch wenn sich Gewinne nur schleppend entwickeln, muss dies nicht ein Zeichen für bevorstehende Verluste sein. Analog sind langsam entstehende Verluste kein Zeichen für baldige Gewinne.

Information = Ruination?

Selbst wenn sie alles „im Griff“ zu haben glauben, Werden sie nicht nachlässig beim Umgang mit Informationen und Analysen. Verhalten sie sich dabei so, als ob Sie das Engagement noch gar nicht eingegangen wären, sondern erst kurz vor der Handelsentscheidung stünden.

Auch wenn es schwer fallen sollte: Gehen Sie auf die Suche nach Informationen, die Ihrem Engagement zuwiderlaufen. Stellen Sie gleichzeitig Informationen, die Ihre ursprüngliche Entscheidung bestätigen, in Frage.

Vermeiden Sie ein Zuviel an Informationen: „Information = Ruination“, Konzentrieren Sie sich nur auf die wirklich relevanten Informationen und analysieren Sie diese dafür sehr genau.

Bitten Sie vorzugsweise Analysten und Kundenbetreuer um Rat, von denen sie wissen, dass sie selbst kein Engagement in dem von Ihnen nachgefragten Marktsegment eingegangen sind. Ein Betrater, der mit einer Position „belastet“ ist, dürfte Ihnen vorzugsweise Informationen vermitteln, die sein eigenes Engagement rechtfertigen.

Denken Sie immer daran: Eine Information, eine Empfehlung, ein Geheimtip in einem Börsenmagazin oder anderen Medien hat meist schon einen längeren Weg hinter sich. Möglicherweise haben sich andere Marktteilnehmer bereits entsprechend positioniert, so dass keine wesentliche Veränderung von Angebot und Nachfrage mehr zu erwarten ist.

Konzentrieren Sie sich bei Ihren Entscheidungen möglichst auf den Kern des Sachverhalts. Lassen sie sich nicht durch irgendwelche Neuigkeiten, die Sie gerade erfahren haben, oder durch „Stimmungsmache“ von Ihrem eigentlichen Entscheidungsproblem ablenken.

Denken Sie immer daran: Nachrichten, die Ihnen greifbar nahe erscheinen, sind auch für die anderen Akteure meist leicht verfügbar. Die Gefahr dass sie bereits gehandelt sind, das heißt sich im Marktpreis schon niedergeschlagen haben, ist recht hoch.

Wenn Sie eine Meinung zu einem Markt (oder einem anderen ökonomischen Sachverhalt) vertreten, versuche Sie Menschen zu finden, die diese Meinung nicht teilen.

Reagieren Sie nicht auf jede gerade verfügbare Neuigkeit. Behalten Sie das große Bild im Auge, aufgrund dessen Sie möglicherweise eine Entscheidung gefällt haben.

Lassen sie sich nicht täuschen: Marktteilnehmer, die Ihren Analysen zustimmen, haben häufig die gleiche Position wie Sie selbst und befinden sich daher in ähnlicher Stimmung.

Verlassen Sie sich nicht auf einen einzigen Ankerwert. Bedenken Sie immer, dass mache Anker von anderen bewusst gesetzt werden, um eine bestimmte Meinung zu erzeugen. Setzten Sie besonders optimistischen Prognosen pessimistische Meinungen (und umgekehrt)
entgegen. Rechnen Sie mit dem Unerwarteten.

Gehen Sie davon aus, dass die meisten Prognosebänder von den Analysten zu eng ausgelegt werden. Um realistische Werte zu erhalten, überprüfen Sie anhand historischer Kursdaten, in welchen Bandbreiten sich eine Devise, Aktie etc. innerhalb eines bestimmtes Zeitraumes bewegt hat.

Meiden Sie die Bestätigung Ihrer Meinungen, Informationen und Analysten durch Dritte, die dieselbe Position wie Sie haben.

Wenn Ihnen eine komplexe Information logisch und stringent erscheint, spielen Sie den Advocatus Diaboli. Tun Sie, als ob Sie der Nachricht keinen Glauben schenken. Widerlegen Sie!

Gleichlautende Analysen aus mehreren Quellen erhöhen zwar das Gefühl der Prognosegüte. Gehen sie aber davon aus, dass häufig ein Meinungsabgleich stattgefunden hat. Ein Wert, der zehnmal empfohlen wird, ist nicht notwendigerweise auch zehnmal so gut wie ein Wert, der nur einmal empfohlen wurde.

Lassen Sie sich nicht beruhigen: Was steigt, kann noch weiter steigen; was heute billig ist, kann morgen noch billiger sein. Trends entstehen vor allem deswegen, weil keiner sie zu Beginn für möglich hält.

Bedenken Sie immer: Das „goldene Ei“ ist nur dann etwas wert, wenn Sie alleine es besitzen. Vertritt dagegen die Masse der Marktteilnehmer eine einhellige Meinung, wird sie unter Umständen nicht genügend Kontrahenten finden, um die daraus resultierenden Gewinne zu realisieren!

Vertrauen Sie nicht einem einzigen „anerkannten“ Fachmann, der womöglich vielen Akteuren als „Guru“ verehrt wird. Denken Sie daran: Sollte er irren, so sitzen Sie mit der Masse in einem Boot. Wenn es „untergeht“ besteht die Gefahr des kollektiven Kontrollverlusts, dessen Kennzeichen Panik ist. Holen Sie Meinungen und Urteile anderer Analysten ein.


 
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