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  Arbeitslosigkeit vs. zunehmende Wochenarbeitszeit - warum? Th.57
 1    Aggi     23.04.05 um 11:44:33#663


Aggi
An anderer Stelle gelesen:
Allerding bin ich ja der Meinung, das die vorhanden Arbeit von immer wenigeren gemacht werden muss, weil die Qualifizierung bestimmter Schichten sehr nachgelassen hat.
Ist das wirklich so?

Ich bin übrigens nicht dieser Meinung.
Ob die Qualifizierung "bestimmter Schichten" so stark nachgelassen hat, und dies die Ursache für die zunehmende Ungleichverteilung ist, halte ich für fraglich.
Es scheint zwar offensichtlich, daß unsere Schulen es schwerer haben als früher, den Kindern etwas beizubringen, u.a. weil viele Eltern ihre Aufgabe der Erziehung und Wertevermittlung nicht mehr im erforderlichen Maße nachkommen. Auch verhindert die zunehmend unterschiedliche Muttersprachlichkeit der Schüler wohl einen effizienten Unterricht.

Andererseits gab es schon immer reichlich Hilfsarbeiter und Geringqualifizierte.
Das Problem ist nur: die entsprechenden Arbeitsplätze wandern ab! Die Löhne, die für solche Tätigkeiten gezahlt werden können, reichen hierzulande einfach nicht zum Leben. Kein Spargelbauer (um mal ein aktuelles, plattes Beispiel zu nehmen) kann es sich aber leisten, einen deutschen Familienvater fürs Spargelstechen auskömmlich zu bezahlen. Nur wenn die Familie in einem Land mit anderen Lebenshaltungskosten lebt, kann man einen solchen Job vorübergehend annehmen. (Es sei denn, Spargel wird wieder so teuer, wie es ja für eine Delikatesse, die er einmal war, eigentlich auch angemessen ist.)

Um es mal so zu sagen: "Wir" können nur gut und teuer!
Und deswegen konzentriert sich die noch verkäufliche Arbeit auf solche, deren Marktpreis hoch genug ist, um ihre Anbieter zu ernähren. Notfalls müssen die Anbieter dann eben mit ihrem Stundenpreis herunter, d.h. fürs selbe Geld länger arbeiten...
 2    teetrinker     23.04.05 um 19:29:14#668


teetrinker
Sehe ich ganz anders! Die anfallende Arbeit ist fast nur noch von gutgeschultem Personal zu bewältigen. Alles was nicht über diverse Qualifizierungen verfügt, fällt irgendwann durch ein Raster. Allerdings ist auch zu beobachten, das viele Firmen immer mehr Fachkräfte gegen angelernte austauschen und so doch die Qualität ar leidet. Frag doch mal einen Verkäufer bei dem in der Krise befindlichem Warenhauskonzer etwas ganz fachspeziefisches, denke das die Antwort mehr als ungenügend ausfallen wird. Allerding bin ich auch der Meinung das z. B. Polen enorm aufholen wird. Schon jetzt beträgt der Anteil der mit Hochschulabschluß ausgestatteten Bevölkerung ca. 40 % (Deutschland zum Vergleich ca. 22%). Nimmt man die jüngsten Diskussionen um das Entwicklungszentrum einer Automarke in Rüsselsheim, so kannst du davon ausgehen, das in der nächsten Zeit ein in Polen entwickeltes und gebautes Modell auf den Markt kommen wird. Die Frage in Deutschland wird sein, wie lange sind ist die arbeitende Bevölkerung noch in der Lage, bzw. willens immer gößere Mengen von Menschen mit durzuziehen? Das gefährliche an dieser Situation ist, das sowohl im gewerblichen als auch im bevölkerungspolitschen Bereich die Mittelschicht immer mehr verschwindet. Es gibt beim Warenangebot nur noch Billig (mit zunehmender Geschwindigkeit) und Teuer (das teilweise eo teuer, das selbst mir die Augen übergehen). Der Mittelstand verschindet. Schaut man sich die Entwicklung Deutschlands an, so war es immer die Mittelschicht, diese hat Arbeitsplätze geschaffen, war vernünftig ausgebildet und hat auch vor einigen Jahren noch Kinder in die Welt gesetzt. Was die Spargelbauern anbetrifft, so halte ich es für besser, deutsche Arbeitslose zu nehmen, einen Zuschuß seitens der Arbeitsagentur zu den Lohnnebenkosten zu zahlen und gut ist. Das wird aber wohl nicht funktionieren (ich erinnere an das Beispiel des jahres 1999 wo das Arbeitsamt massenweise Fahrzeuge angeschafft hat um die Arbeitssuchenden auf die Felder zu bekommen, schlug aber fehl). Eher wird es wohl dieses Jahr keinen deutschen Spargel geben.

Dein Ausspruch wir können nur gut und teuer, stimme ich so nciht zu. Wir können billig, durch effziente Arbeitsmethoden, diese werden aber oft nicht angewendet. Und das was wir gut können, wird komischer Weise immer weniger, was mich nciht wundert, bei dem Austausch von Fachkräften gegen Angelernte. Warten wir es mal ab. Ich schätze ein Hoch wird es noch zur Weltmeisterschaft geben, dann geht es weiter bergab. Denke wir steuern gewaltig auf 8 Mio Arbeitssuchende hin (Ich gehe jetzt mal von knapp 7 aus und zähle die dazu, welche sich in irgendwelchen obskuren Maßnehmen befinden).
 3    Aggi     27.04.05 um 10:21:36#695


Aggi
Was die Spargelbauern anbetrifft, so halte ich es für besser, deutsche Arbeitslose zu nehmen, einen Zuschuß seitens der Arbeitsagentur zu den Lohnnebenkosten zu zahlen und gut ist.

Schlechte Idee.
Die Arbeitsagentur hat eh kein Geld. Es darf nicht einreißen, dass sie anfängt, für reguläre Arbeitsplätze etwas dazuzuschießen. Das macht den Arbeitsmarkt noch mehr kaputt und verteuert darüberhinaus die Nebenkosten für die Arbeitsplätze weiter, denn natürlich würde der ALV-Beitrag um dieselbe Gesamtsumme steigen. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Ich sehe keine Lösung für das Problem.
Das kommt eben davon, wenn man die Grenzen sperrangelweit öffnet für billige Produkte (die nicht hier hergestellt werden) und billige Arbeitskräfte (deren Familien ihre Lebenshaltungskosten nicht hier bestreiten müssen) und gleichzeitig sowohl die Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland als auch die Unternehmensansiedelungen in anderen EU-Ländern mit unseren Steuergeldern auch noch quersubventioniert.

Früher konnte man solche Probleme mit Wechselkursanpassungen und Importzöllen effektiv bekämpfen.
Aber damals lag der Politik ja auch noch das Wohl der einheimischen Bevölkerung am Herzen.
Derartiges bei einem so heterogenen Wirtschaftsraum wie der heutigen EU abzuschaffen, ist der ökonomische Selbstmord.
Mit den EU-Beiträgen und der Quersubventionierung von Arbeitsplätzen bezahlt das deutsche Stimmvieh seinen eigenen Schlachter.
 4    teetrinker     29.04.05 um 21:41:14#698


teetrinker
Die Arbeitsagentur hat eh kein Geld. Es darf nicht einreißen, dass sie anfängt, für reguläre Arbeitsplätze etwas dazuzuschießen. Das macht den Arbeitsmarkt noch mehr kaputt und verteuert darüberhinaus die Nebenkosten für die Arbeitsplätze weiter, denn natürlich würde der ALV-Beitrag um dieselbe Gesamtsumme steigen. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Nee, das sehe ichnicht so, wenn er denn 800 € bekommt, von der Arbeitsagentur, zahlt diese einen Zuschuss zu den Sozialabgaben an den neuen Arbeitgeber, sagen wir mal 300 €. Der wird daraufhin für 3 Monate befristet eingestellt und kostet insgesamt 1.500 € weniger.

Ich sehe keine Lösung für das Problem.
Das kommt eben davon, wenn man die Grenzen sperrangelweit öffnet für billige Produkte (die nicht hier hergestellt werden) und billige Arbeitskräfte (deren Familien ihre Lebenshaltungskosten nicht hier bestreiten müssen) und gleichzeitig sowohl die Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland als auch die Unternehmensansiedelungen in anderen EU-Ländern mit unseren Steuergeldern auch noch quersubventioniert.


Nunja, das mit den Subventionen ist nun mal so, allerdings halte ich das auch für völlig schwachsinnig. Was nützt es, durch den Länderfinanzausgleich Gelder an andere Bundeländer zu zahlen, die nichts besseres damit zu tun haben, als Unternehmen aus anderen Bundesländern abzuwerben. Siehe Berlin und Bremen, welche das regelmäßig veranstalten. Aber mit den Subventionen ist es wie mit der Drogensucht, irgendwann reicht die Dosis nicht mehr...

Früher konnte man solche Probleme mit Wechselkursanpassungen und Importzöllen effektiv bekämpfen.
Aber damals lag der Politik ja auch noch das Wohl der einheimischen Bevölkerung am Herzen.
Derartiges bei einem so heterogenen Wirtschaftsraum wie der heutigen EU abzuschaffen, ist der ökonomische Selbstmord.
Mit den EU-Beiträgen und der Quersubventionierung von Arbeitsplätzen bezahlt das deutsche Stimmvieh seinen eigenen Schlachter.


Grundsätzlich halte ich ncihts von Importzöllen. Es sollte der Markt entscheiden, was angeboten und verkauft wird. Aber wie oben erwähnt, kann es nciht sein, dass einige Staaten (Südkorea) die erhaltenen Gelder dazu verwenden Produkte unter dem Herstellungspreis auf fremde Märkte zu werfen, nur damit die örtlichen Mitbewerber dann ich Schwierigkeiten kommen.
 
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