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  Grüne Pfeile - es werden immer weniger Th.23
 1    caramba     29.09.04 um 19:40:05#50


caramba
Von Barbara Hardinghaus

In Hamburg werden immer mehr grüne Pfeile abgebaut, und kaum einer merkt etwas davon. Seit 2002 ist die Zahl der Pfeile von 350 auf 288 gesunken. Allein in 2004 verschwanden sieben der Schilder, die dazu dienen, den Verkehr flüssiger zu machen - Autofahrer dürfen trotz roter Ampel rechts abbiegen. Aktuell sind im September an zwei Kreuzungen in Hamburg die grünen Pfeile abmontiert worden. In Billstedt etwa am Schiffbeker Weg/Manshardtstraße und in Dulsberg an der Nordschleswiger Straße/Alter Teichweg.

Das Abbauen eines grünen Pfeils kostet rund 200 Euro. Bundesweit gibt es 5000 von ihnen. Hamburg ist Spitzenreiter im Aufstellen des grünen Pfeils. "Die Gründe dafür sind unterschiedlich", sagt Joachim Cybulla (46), Sachgebietsleiter in der Verkehrsdirektion. Entweder haben sich an diesen Stellen Unfälle ereignet, und der Grüne Pfeil war dabei unfallbegünstigender Faktor (wie etwa an der Straßburger Straße/Eulenkamp in Wandsbek oder Alsterkrugchaussee/Sportallee in Groß Borstel), oder die Ampel ist modernisiert worden, und Autofahrer erhalten ihre Grünsignale durch Bodenkontakt vor der Ampel (wie etwa an der Bramfelder Straße/Habichtstraße in Barmbek-Nord oder Gehlengraben/Willersweg in Langenhorn).

Oder der Grund ist: "Schulwege entstehen neu, und der Pfeil muss weg", sagt Cybulla. "Durch Neubausiedlungen z. B. nutzen plötzlich Kinder eine Kreuzung, wo vorher kaum jemand war." In Hoheluft-Ost, Ecke Lehmweg/Löwenstraße, dagegen, wurde der grüne Pfeil im Oktober 2003 wieder abmontiert, weil der Ampel-übergang regelmäßig von Blinden genutzt wird.

Kommen jetzt etwa nach und nach alle grünen Pfeile weg? Immerhin handelt es sich bei den Schildern um ein Wahlversprechen von Hamburgs früherem Innensenator Ronald Schill. Die Pfeile waren von Februar 2002 bis Mitte 2003 aufgestellt worden. "Das wird auf keinen Fall passieren", sagt Joachim Cybulla. "An vielen Stellen in der Stadt hat sich der grüne Pfeil ja bewährt." Und Marco Haase (33), Sprecher der Innenbehörde, sagt: "Das Gros der Pfeile bleibt. Sie machen den Verkehr flüssig." Hamburg werde vor Dresden bundesweit Hauptstadt der grünen Pfeile bleiben - was Jörg Lühmann (42), verkehrspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion, nicht unbedingt erfreut: "Grüne Pfeile gefährden häufig Radfahrer und Fußgänger. Es ist aber gut, dass die Polizei die Pfeile regelmäßig prüft und gegebenenfalls abbaut. Diese gründliche Recherche hätte ich mir allerdings schon vorab gewünscht."

Jan Quast (38), stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD, kritisiert das Vorgehen der Behörde schärfer. "Die Innenbehörde hat eine Schonfrist abgewartet und korrigiert jetzt Fehler aus alten Zeiten." Klaus-Peter Hesse (36), Verkehrs-Experte der CDU, weist diesen Vorwurf aber strikt zurück. "Erst die Praxis zeigt genau, wo ein grüner Pfeil sinnvoll ist und wo nicht."

erschienen am 27. September 2004 im Hamburger Abendblatt
 
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